Corona, Digitalisierung und die LGBTIQ-Community
Das neue Coronavirus Covid-19: Das ist das beherrschende Thema in den Medien und der Grund für die aktuell räumlich stark eingeschränkte Lebensrealität. Ihr alle bekommt die Auswirkungen im täglichen Leben zu spüren, seht Freund*innen, Familie, Arbeitskolleg*innen und vielleicht dein*e Lebenspartner*in...
Das neue Coronavirus Covid-19: Das ist das beherrschende Thema in den Medien und der Grund für die aktuell räumlich stark eingeschränkte Lebensrealität. Ihr alle bekommt die Auswirkungen im täglichen Leben zu spüren, seht Freund*innen, Familie, Arbeitskolleg*innen und vielleicht dein*e Lebenspartner*in weniger und entdeckt neue Wege der Kommunikation mit ihnen. Das zeigt sich auch in den explodierenden Nutzungszahlen von Zoom, Jitsi, Facetime, Skype, Teams, Hangouts und Whatsapp-Videocall.
Unbestritten, das Coronavirus ist ein unerwarteter und massiver Beschleuniger in der Digitalisierung unserer Gesellschaft. Das zeigt sich nicht nur, indem das (Klima schonende und Familienleben vereinfachende) Home-Office plötzlich im Dienstleistungssektor Standard geworden ist oder in der eingangs erwähnten Veränderung der Kommunikations-Kanäle. Unmittelbar zeigt sich auch, dass gefühlt immer ein elektronisches Gerät keinen Saft mehr hat und nach dem Ladekabel schreit. Ob und in welcher Art und Weise diese Digitalisierung Fortbestand haben wird nach Abklingen der Übertragungsgefahr des Virus wird sich zeigen. Ich persönlich hoffe auf eine nachhaltige Anpassung im beruflichen Umfeld; im privaten Umfeld werden wir wohl rasch wieder auf Livekontakte setzen. Aber vielleicht wird es nach Corona auch öfters mal ein virtueller Kontakt mit der Familie oder sonstigen ferneren Bekannten geben, als das früher der Fall war. Ich sehe diese sprunghafte Entwicklung der Digitalisierung und das daraus folgende breite Wissen in der Gesellschaft zu derer Nutzung aber als unglaublich grosse Chance für unsere Community. Ich denke dabei in erster Linie an folgende zwei Ideen:
- Unsere Anlässe online verfügbar machen: QueerBienne, Queerdom und Mythengay lassen ihre Treffs virtuell stattfinden, die Milchjugend sendet Livestreams mit unterschiedlichsten, queeren Inhalten aus der Queerantäne, Draq Queens machen wöchentliche YouTube-Videos aus dem Homo Office und eine Vielzahl von Webinare lassen uns den Horizont erweitern. Das sind einige, mir bekannte Beispiel, wie sich die Community den aktuellen Umständen anpasst. Auch im Zusammenhang mit der Durchführung der Anlässe in den Pride Weeks stellte ich mir die Frage: Wieso machen wir als LGBTIQ-Organisationen nicht mehr von unseren Podien, Anlässe, Workshops und vielleicht sogar Partys auch online zugängig? Sei es als Livestream zum passiven Mitschauen oder etwas aktiver als Webinar mit Chatfunktion? Der Vorteil ist, dass wir so Menschen erreichen und in die Community einbinden können, welche aufgrund eingeschränkter Mobilität nicht vor Ort teilnehmen können, sei das aus physischen oder auch aus finanziellen Gründen. Und auch Menschen, welche aus zeitlichen Gründen oder aufgrund der langen Anreise nicht vor Ort teilnehmen können, weil diese oftmals in den grösseren Städten der Schweiz stattfinden.
- Beratungen virtuell ausbauen: Wir haben sehr viele Möglichkeiten, wie wir uns in der Community gegenseitig unterstützen und Hilfe angeboten bekommen. Ich denke dabei beispielsweise an die HIV- und STD-Beratungen der Checkpoints, Du-bist-Du, die LGBT-Helpline oder weitere Fachstellen. Wieso auf der Homepage nebst den bekannten Kanälen nicht auch aktiv Beratungsgespräche zum Beispiel via Skype oder Whatsapp-Videocall anbieten? Ich denke, es kann damit vor allem jungen Menschen ausserhalb der Ballungsgebiete eine Möglichkeit angeboten werden, nicht nur Hilfe zu bekommen, sondern vielleicht auch jemanden (zumindest auf digitalem Weg) zu sehen – was in schwierigen Situationen ein weitere, starke Unterstützung sein kann.
Aus meiner Sicht einfache und kostengünstige Möglichkeiten, wie unsere Community aus der Corona-Krise einen direkten Nutzen ziehen kann. Falls Du Probleme siehst oder Fragen hast, melde Dich doch bei mir. Natürlich freue ich mich auf über weitere Beispiele von digitaler Nutzung, welche mir noch nicht bekannt sind, ich freue mich auf einen kreativen Austausch, damit wir gemeinsam die Community einen Schritt weiterbringen können. In diesem Sinne: Bleibt gesund, haltet physischen Abstand, aber fühlt euch aus der Ferne umarmt!
David Reichlin, Co-Präsident Pink Cross Aktivieren Sie Javascript um diese geschützte E-Mail Adresse zu sehen.